Roboter für ein bedingungsloses Grundeinkommen

Eine Kolumne von Heike Henzmann

Dank der vierten industriellen Revolution und ihren Zwangsarbeitern, den Robotern, schrumpft in nicht allzu ferner Zukunft die Menge der von Menschen zu leistenden Arbeit bei gleichbleibender oder gar gesteigerter Produktivität drastisch. Das wird gesellschaftliche Veränderungen nach sich ziehen, die ein bedingungsloses Grundeinkommen über kurz oder lang unvermeidbar machen.

Roboter sind an sich ja nichts Neues. Doch inzwischen ist die Technik der Automaten so weit fortgeschritten, dass sie dem Menschen in nahezu allen Lebensbereichen zu Diensten sein können und unliebsame Tätigkeiten abnehmen. Wer jetzt aufstöhnt und um die vielen Arbeitsplätze jammert, die verloren gehen, sieht nicht das Potenzial, das in dieser Entwicklung steckt. Schon immer diente Technik dazu, Menschen das Leben komfortabler zu machen. Nicht anders ist das bei der vierten industrielle Revolution, die gerade im Gange ist. Vorausgesetzt, die Weichen werden frühzeitig richtig gestellt.

 

Stellen wir uns ein produzierendes Unternehmen mit grösstmöglicher Automation vor. Vom Auftragseingang über Abwicklung, Produktion, Lagerung und Auslieferung funktioniert diese Fabrik autonom, egal ob Einzel- oder Serienanfertigung. Roboter, Transportsysteme und auch das Werkstück sind „intelligent“, vernetzt und kommunizieren miteinander. Fertig ist die Smartfactory. Die Anzahl der notwendigen Mitarbeiter schrumpft erheblich. Und das nicht nur in der Produktion. Die meisten Mitarbeiter in Auftragsabwicklung und Buchhaltung, Logistik und Auslieferung werden überflüssig. Nur für Wartung und Service wird noch menschliche Arbeitskraft benötigt.

Hinzu kommt, dass nicht nur Fabriken automatisiert werden, sondern auch Städte, Individualverkehr und medizinische Versorgung. Busse und Züge fahren autonom. Roboter und Automaten unterstützen das Pflegepersonal in Heimen und Spitälern. Statt Postboten liefern Drohnen Waren aus, und das schneller, als man sie sich selber im Supermarkt besorgen kann. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. All dies darf und wird nicht in hohen Arbeitslosenzahlen und einer verarmten Gesellschaft resultieren, denn die Wirtschaft braucht zahlungskräftige Konsumenten. Und genau hier kommt das bedingungslose Grundeinkommen ins Spiel, über das im Juni zum ersten Mal in der Schweiz abgestimmt werden wird.

Ein Zukunftsszenario: Die Schweiz im Jahre 2030 ist nahezu vollständig automatisiert und ihre Bürger erhalten ein bedingungsloses Grundeinkommen. Das Pensum für eine volle Stelle sinkt auf 20 Stunden pro Woche.  Trotz des bedingungslosen Grundeinkommens, welches das Existenzminimum deckt, arbeitet ein grosser Teil der Bevölkerung, um den Lebensstandard zu erhöhen, wegen der Wertschätzung und aus Freude am Job. Die Work Life Balance, heute häufig in Schieflage, findet wieder ins Gleichgewicht. Unternehmen können auf ausgeruhte und gelassene Mitarbeiter zählen, die nicht am Limit laufen oder gar wegen eines Burnouts ganz ausfallen. Menschen, die der Dynamik und den Anforderungen des heutigen Arbeitsmarktes nicht gewachsen sind, können dank dem geringeren Pensum integriert werden.  Die Kreativen des Landes sind nicht länger zu Brotjobs genötigt. Die Kulturszene belebt sich, wird unabhängiger, wird vielfältiger. Menschen haben mehr Freiräume für soziales Engagement. Schon heute engagieren sich sehr viele Menschen trotz hoher beruflicher Auslastung ehrenamtlich für soziale Projekte. Das zeigt, dass das Bedürfnis hierfür vorhanden ist und – dank Grundeinkommen - erblühen kann. Und auch in der Keimzelle der Gesellschaft wird sich viel Gutes tun: Eltern – Vater und Mutter - haben wieder Zeit und Kraft für ihre Kinder.

 

Das Leben wird wunderbar. Und Automation und bedingungsloses Grundeinkommen in Kombination machen das möglich. Deshalb wird das bedingungslose Grundeinkommen auf jeden Fall über kurz oder lang realisiert werden. Hoffen wir einfach, dass es nicht ganz so viele Anläufe braucht wie das Frauenwahlrecht.

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Kommentare: 1
  • #1

    Jan Freinitz (Mittwoch, 03 August 2016 11:42)

    Nachwuch droht Gehalt auf Hartz-4-Niveau

    Ende der Wohlstands-Ära: Die Jungen werden ärmer als ihre Eltern

    http://www.stern.de/wirtschaft/geld/mckinsey-studie--die-jungen-werden-aermer-als-ihre-eltern-6971346.html

    oder auch ganz lecker: Verarmung als Megatrend - siehe auch: https://www.berlinjournal.biz/verarmung-kinder-aermer-als-eltern/

    Laut Politik müsse man sich "integrieren" (nach Definition der Politik was das denn angeblich sei). Dazu braucht es in der heutigen Zeit üppige Geldmittel, die die meisten Leute, die angeblich "nicht integriert" sind (auch sehr viele Deutsche), gar nicht aufbringen können.

    Auf einen Zusammenhang stieß die britische Soziologin Marii Peskow in der European Social Survey (ESS): Demnach sei die Bereitschaft zur Wohltätigkeit in egalitären Gesellschaften deutlich schwächer ausgeprägt, als in solchen mit großen Einkommensunterschieden. Die Erklärung dafür liege im sozialen Statusgewinn, den Wohlhabende in ungleichen Gesellschaften erfahren würden, wenn sie Schwächere unterstützten. In egalitären Gesellschaften herrsche hingegen das Bewusstsein vor, dass dank des Sozialstaats für die Schwachen schon gesorgt sei.

    Faulheit gilt in den westlichen Industrienationen als Todsünde. Wer nicht täglich flott und adrett zur Arbeit fährt, wer unbezahlte Überstunden verweigert, lieber nachdenkt als malocht oder es gar wagt, mitten in der Woche auch mal bis mittags nichtstuend herumzuliegen, läuft Gefahr, des Schmarotzertums und parasitären Lebens bezichtigt zu werden.

    Nein, stopp: Nur die armen Arbeitslosen fallen in die Schublade »Ballastexistenz«. Millionenerben, Banker- und Industriellenkinder dürfen durchaus lebenslang arbeitslos und faul sein. Sie dürfen andere kommandieren, während sie sich den Bauch auf ihrer Jacht sonnen.

    Früher glaubten viele Menschen an einen Gott. Wie viele heute noch glauben, da oben säße einer, der alles lenke, weiß ich nicht. Das ist auch egal. Gottes ersten Platz hat im modernen Industriezeitalter längst ein anderer eingenommen: Der »heilige Markt«. Der Finanzmarkt. Der Immobilienmarkt. Der Energiemarkt. Der Nahrungsmittelmarkt. Und der Arbeitsmarkt.

    Der Arbeitsmarkt ist, wie der Name schon sagt, zum Vermarkten von Arbeitskraft da. Wer kein Geld und keinen oder nur sehr wenig Besitz hat, verkauft sie. Die Eigentümer der Konzerne konsumieren sie, um daran zu verdienen. Das geht ganz einfach: Sie schöpfen den Mehrwert ab. Sprich: Der Arbeiter bekommt nur einen Teil seiner Arbeit bezahlt. Den Rest verrichtet er für den Gewinn des Unternehmers.

    Arbeit verkaufen, Arbeit konsumieren: So geschieht es seit Beginn der industriellen Revolution. Denn Sklaverei und Leibeigenschaft wurden ja, zumindest auf dem Papier, abgeschafft.

    Solange Furcht vor Strafe, Hoffnung auf Lohn oder der Wunsch dem Über-Ich zu gefallen, menschliches Verhalten bestimmen, ist das wirkliche Gewissen noch gar nicht zur Wort gekommen. (VIKTOR FRANKL)

    Die Todsünde der Intellektuellen ist nicht die Ausarbeitung von Ideen, wie fehlgeleitet sie auch sein mögen, sondern das Verlangen, diese Ideen anderen aufzuzwingen (Paul Johnson)

    Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden, in lockende Gestalt... (Shakespeare)

    Das Heimweh nach der Barbarei ist das letzte Wort einer jeden Zivilisation (Cioran)

    Alle Menschen sind klug - die einen vorher, die anderen nachher (Voltaire)

    Die Gefahr ist, dass die Demokratie zur Sicherung der Gerechtigkeit für diese selbst gehalten wird (Frankl)

    Absolute Macht vergiftet Despoten, Monarchen und Demokraten gleichermaßen (John Adams)

    Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer (Schopenhauer)

    Unser Entscheiden reicht weiter als unser Erkennen (Kant)

    Denn mancher hat, aus Furcht zu irren, sich verirrt (Lessing)

    Die Augen gingen ihm über, so oft er trank daraus... (Goethe)

    Immer noch haben die die Welt zur Hölle gemacht, die vorgeben, sie zum Paradies zu machen (Hölderlin)

    So viele Gefühle für die Menschheit, dass keines mehr bleibt für den Menschen (H. Kasper)

    "Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden" (Helmut Schmidt)