P.F.A. Teil 4: Das SmaPh

Privatsphäre für Anfänger: Geht Privatsphäre mit Smartphone?

Warten auf den Zug - wie gut gibt es ein Smartphone, um sich die Zeit zu vertreiben. Eine lebhafte Diskussion unter Freunden -  und Google allzeit im Taschenformat dabei, um  Fakten zu verifizieren. Joggen und Biken  - das Smartphone supportet, mit der richtigen Playlist, dem Schrittzähler, der Map, einem Quentchen Motivation und noch vielem mehr. Der Kollateralnutzen des smarten Begleiters lässt den 1:1 Nutzer mit seiner Privatsphäre dafür zahlen. Doch geht ein Leben noch ohne?

Ich kann mich noch gut an mein erstes Mal erinnern. Ich packte es aus und war für Tage paralysiert ob der Möglichkeiten, die mir mein erstes und neues Smartphone bot.

Ich gestehe: Ich bin ein Junkie erster Güte. Ein Informations-Junkie. Ein Online-Junkie. Ein Lese-Junkie. Und nun würde ich nie wieder Entzugserscheinungen haben. Nie wieder warten, ohne etwas zum Lesen dabei zu haben. Nie wieder warten, bis ich einen Begriff nachschlagen kann. Und ausserdem: meine Zeit kann ich nun so genau planen, dank Fahrplan-App, dank Online-Karte mit GPS und Navigation, dank allerlei anderem Schnick Schnack, dass ich sowieso nicht mehr warten muss.


Risiken

Natürlich weiss ich um die Risiken des Smartphones. Wie kein anderes Gerät sammelt der allzeit bereite und willig mitgeführte digitale Alltagshelfer personenbezogende Daten. Vom Bewegungsmuster über Online-Gewohnheiten, Metadaten von Mails und Telefonaten, allerlei Daten von angeschlossenen Blootoothgeräten wie Zahnbürste, Blutdruckmessgerät, Boxen, und natürlich all der vielen installierten Apps und deren Benutzung. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Smartphone zwecks Abhören ferngesteuert werden kann.

Was also nützt mir anonymes Surfen auf dem PC daheim und verschlüsselte Emails, wenn ich ständig freiwillig eine Wanze mit mir herumtrage? Und einen Positionstracker? 

 

Abstinenz

Die gute Nachricht: Der beste Schutz der Privatsphäre geht ganz einfach und vollständig analog. Und niemand, wirklich niemand kann damit argumentieren, dass er davon nichts versteht. Denn der Schutz der Privatsphäre, den ich bezüglich Smartphone empfehle, heisst Abstinenz. Verzicht. Das Smartphone daheim lassen. Oder ihm den Akku ziehen. Wer seine Privatsphäre schützen möchte, muss sich entwöhnen, den Unbill des Entzuges freiwillig auf sich nehmen, das Smartphone aus Lebensbereichen aussperren, es in einem anderen Raum lassen bei persönlichen Gesprächen. Wir müssen lernen, im Umgang mit der Zauberkraft des Smartphones Meister zu sein und nicht Lehrling.

 

Abschalten

Für alle, die es noch nicht wissen: Abschalten genügt nicht, um sich vor unerwünschten Lauschern via Smartphone zu schützen. Es hat sich gezeigt, dass auch abgeschaltete Smartphones sich ferngesteuert in ein Abhörgerät verwandeln lassen. Das heisst: Will ich sichergehen, dass niemand mithören kann, dann nehme ich den Akku raus. Doch nicht bei allen Smartphones geht das. Nun, in diesem Fall bleibt wohl nichts anderes übrig, als das Smartphone auszusperren. Oder einzusperren in akkustisch abgeschirmte Kisten, einen Kühlschrank oder ähnliches.

 

Abgeschirmt und zugeklebt

Wem das zu lästig ist, der kann sich ein Abschirmung für das Smartphone selber bauen. Es gibt einen Stoff, der HF und NF schirmt, und in dem das Handy keinen Empfang hat. Und wenn es keinen Empfang hat, sollte es auch keine Daten irgendwohin liefern können. Natürlich gibt es auch schon eine hübschere Variante als fixfertige Handyabschirmtasche zu bestellen. Auch die ist ein guter Schutz. Ausserdem: Was am Laptop funktioniert, funktioniert auch am Smartphone - die Kamera zukleben.

 

Threema

Nun möchte ich mit dem Handy ja auch kommunizieren. Ich persönlich bevorzuge Kurznachrichten. Doch welcher Instant Messaging Dienst bietet Privatsphäre? Threema lautet die Antwort. Meine erste Infoquelle zum Thema Threema ist Wikipedia. Der Name Threema, so erfahre ich dort, ist ein Akronym von EEEMA, End to End Encrypting Messaging Application. Der Instant Messaging Dienst bietet mit einer Ende zu Ende Verschlüsselung einige Sicherheit. Darüber hinaus betreibt Threema seinen Server ausschliesslich in der Schweiz. Mit inzwischen mehr als 3.2 Millionen Käufen des Apps hat die Anzahl der Threema Nutzer inzwischen eine kritische Menge erreicht, bei der man davon ausgehen darf, dass sich der eine oder andere eigene Kontakt darunter befindet. Und wer hats' erfunden? Richtig.

 

Threema ganz konkret

Nachdem ich all das zu Threema herausgefunden habe, investiere ich 1.99 CHF und installiere das App auf meinem Android Handy. Ruck Zuck ist Threema installiert und konfiguriert. Das eigene Kontakteverzeichnis wird bei der Konfiguration ähnlich wie bei anderen Diensten (wie zum Beispiel whatsapp) mit dem Threema-Server abgeglichen und übereinstimmende Kontakte  in die Threema Kontaktliste aufgenommen. Auch hierbei schreibt Threema Sicherheit gross: Statt wie andere Dienste die Kontaktliste auf den Server zu laden, sendet Threema nur Prüfsummen. Nach dem Abgleich stellt sich herauss, dass tatsächlich einige meiner Kontakte Threema nutzen. Die erste Nachricht ist schnell und erfolgreich versendet. Allerdings muss ich wohl noch einige Überzeugungsarbeit leisten, wenn ich Threema regelmässig verwenden möchte.

By the way: Meine Threema ID lautet

HMW7DTEX

Ich freue mich über Nachrichten, ob es geklappt hat.

 

Und sonst?

Telefonieren, Surfen, Emailen, Schrittzähler, Musikbibliothek oder auch einfach nur das Mit-sich-führen des Smartphones generieren haufenweise Daten, die erlauben, ein ziemlich genaues Persönlichkeitsbild und Bewegungsprofil des Nutzers zu erstellen. Beim Mit-sich-führen hilft die oben bereits erwähnte Abschirmhülle, für den Rest im Moment noch Abstinenz oder Schutzhülle!

 

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